Meine Welt
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Pilgerreise 2019

 

08.11.2018 Es ist wieder soweit, das Pilgerfieber ist wieder ausgebrochen und der Gedanke, in 2019 die Via de la Plata mit ihren 1000 km von Sevila nach Santiago de Compostela zu laufen, lässt mich strahlen...Morgen hohle ich meinen bestellten Pilgerführer im Buchladen ab.

 

Stand 28.12.18

Abflug nach Sevilla ist am 31.03.19. Am nächsten Tag Stadtbesichtigung und nochmal eine Möglichkeit sich mit etwas Proviant einzudecken...und am 02.04. gehts los. 

 

Stand: 08.03.19 Ein Wahnsinn welche Faszination das Pilgern auslöst, ich kann es kaum erwarten los zu laufen...

 

                                                                                                                                                     I know, I will never walk alone. 

 

 

Endlich:  Abflug am 31.03.19 vom Flughabfen Köln-Bonn nach Sevilla

 

 

 

"Alle Reisen haben eine heimliche Bestimmung, die der Reisende nicht ahnt." (Unbekannt)

 

Dieses Zitat kam mir auch diesmal auf den 1007 km wieder in den Sinn, wenn ich körperlich und mental an meine Grenzen angelangt bin...wenn ich voller Freude den Widrigkeiten des Weges entgegen treten konnte. Pilgern stellt für mich ein Gleichnis des eigenen Lebensweges dar.

Ich suchte bewusst die Einsamkeit und habe mich deshalb für den südlichen und weniger bekannten Pilgerweg, die Via de la Plata entschieden. Ich wollte bewusst den Fokus auf mich, auf mein Leben lenken um so oft es geht, im Hier und Jetzt zu verweilen. 

 

In Sevilla, der Hauptstadt von Andalusien bin ich am 02.04.19 gestartet, nachdem ich mir tags zuvor das bunte Treiben in der Wiege des Flamencos angeschaut habe.

 

Schon nach wenigen Pilgertagen habe ich meine ursprüngliche Wegplanung, von Sevilla nach Granja de Moreruela (hinter Zamora) und weiter auf dem mozarabrischen Weg über Ourense nach Santiago zu laufen, umgelegt. Ich entschloss mich, die Via de la Plata (ist der ursprüngliche Silberweg, der vor 2000 Jahren von den Römern geschaffen wurde), bis Astorga (Provinz Leon) zu folgen, um dann weiter auf dem bekannten Camino Frances nach Santiago de Compostela zu pilgern.

Die ersten gut 600 km des Weges haben meine ganze Wandererfahrung gefordert, denn einige Etappen waren 40 km lang und es gab zwischendurch keine Schlafstätte, Bar oder Supermarkt um Körper und Geist zu stärken.

Kälte, Wind, Dauerregen und aufgeweichte pampige rote Lehmböden, die nach kurzer Zeit das Schuhwerk doppelt schwer machten, waren oft meine Begleiter. Selten kam mein kurzärmlieges T-Shirt zum Einsatz und irgendwie gefiel es mir sogar, denn die Vorstellung, bei 40 °C durch die Extremadura laufen zu müssen, löste auch keine Begeisterung aus.

Somit war alles gut wie es ist und ich genoss es, durch diese großen privaten Haciendas zu laufen, vorbei und hindurch an hunderten von Kühen mit ihren bedrohlich wirkenden Riesenhörnern und staunenden großen Augen. Was die wohl immer gedacht haben?

 

Vorbei an malerischen Dörfern, Oliven, Obst, Gemüse, Wein und Getreide anbauten, die manchmal ein Ende kaum erahnen ließen, folgte ich immer weiter den Spuren der alten Römer. Nichts konnte mich aufhalten, denn die Kraft des Loslassens manifestierte sich immer mehr und Leichtigkeit machte sich breit. Zu keinem Zeitpunkt kamen Zweifel auf, abzubrechen oder ein öffentliches Verkehrsmittel zu nutzen um größere Strecken zu überwinden, wie es einige Pilger/innen machten. 

Nur wenn man jeden Meter läuft, seinen Körper erspürt, in der Stille verweilt und die Gegenwart der Natur spürt, riecht und hört, dann ist man gepilgert. Wir müssen nicht alles hinterfragen, einfach nur loslaufen...pilgern umfasst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, darum musst du laufen, laufen und laufen.

 

Andalusien, Extremadura, Kastilien, Leon bis rauf nach Galicien erfreute ich mich der Gastfreundschaft in einfachen Klosterherbergen, städt. Alberguen und Hostels. Sie wurden geführt von ehrenamtlichen herzensguten Herbergsmitarbeitern und waren in der Regel das Sahnehäubchen des Tages. Herberge heißt immer, ankommen, essen, plaudern und ausruhen.

Oft verbrachte ich in Gemeinschaft mit anderen erschöpften und neugierigen Mitpilger/innen dort die Nächte, oder hin und wieder auch einsam und alleine in großen Schlafsälen auf alten Lazarettbetten, wo unweigerlich Gedanken hochkamen, welche Soldaten, warum und weshalb dieses Bett nutzten.

 

Ich durchwanderte eine sehr abwechslungsreiche blühende bunte Naturlandschaft, deren saftige Farben fast unwirklich erschienen. Ich stieg Berge hinauf und über stolprige und steinige Wege wieder herab und immer mehr erfüllte sich meine Sinnsuche und nährte sich mit tollen Gedanken und ehrlichen Gefühlen.

Nach 40 Tagesetappen und 1007 km erreichte ich am 11.05.19 in den frühen Morgenstunden müde aber mega glücklich Santiago de Compostela und es waren nicht die ersten Tränen auf diesem Weg, die ich vor Freude und Dankbarkeit auf der Praza do Obradoiro vor der Kathedrale vergossen habe. 

Es sind Tränen des Glücks, Tränen für die Menschen, die ich über alles liebe! Es ist wahre Freude und Dankbarkeit die ich empfinde, das ich solche Wege laufen darf...buen Camino!

 

          Der Weg ist das Ziel und Kraft unserer Gedanken bestimmen

                                        wir die Richtung!

 

 

Wenn wir an einem Ort bleiben sollten, dann hätten wir Wurzeln statt Füße. 

 

 

 

 

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht!

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© Heinrich Pinant